Public Relations Perception Management

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08.11.2018
Bernhard Schmid

Vergütungen als Topthema von Investoren?

Die 6. SWIPRA-Umfrage zur Entwicklung der Corporate Governance in der Schweiz vermittelt ein paar spannende Einblicke in die aktuellen Befindlichkeiten und Ansprüche von Unternehmen und Investoren. Ein bemerkenswerter Punkt: Während der GV-Saison 2018 waren die Vergütungen das wichtigste Thema für 40% der institutionellen Anleger im Austausch mit den Unternehmen. Laut Studie, weil rund die Hälfte der Investoren unzufrieden ist mit der Transparenz, insbesondere bezüglich "Pay for Performance". Dass die Vergütungen so häufig Thema Nummer Eins sind, sollte in zweierlei Hinsicht zu denken geben.

Erstens: Selbst, wenn man argumentierte, dass wohl primär "transparenzverwöhnte", angelsächsische Investoren die hiesige Offenlegung bemängeln, ist doch erstaunlich, dass man sich als Unternehmen diese Blösse gibt. Seit Jahren ist das Thema unter verschärfter Beobachtung. Dass man immer noch Vergütungssysteme in Kraft hat, die Fachleute nicht nachvollziehen können, oder man sie nicht transparent darstellen kann oder will, wirkt rückständig und wenig vertrauensfördernd.

Zweitens: Wenn sich Pensionskassen mit oberster Priorität um die Vergütungen kümmern, könnte das heissen, dass alles andere völlig klar, positiv und damit gar nicht erst diskussionswürdig ist. Das wäre allerdings sehr erstaunlich. Genauso erstaunlich wäre es, wenn die Vergütungen deshalb zum wichtigsten Thema werden, weil sie als Zahlen einfacher einzuordnen sind, als beispielsweise Szenarien offener Rechtsstreitigkeiten oder die qualitative Würdigung möglichen Investitionsbedarfs. Nicht nur erstaunlich, sondern geradezu falsch wäre es, die Vergütungen zum Hauptthema zu machen, wenn die Performance des Unternehmens nicht stimmt. Das wäre das Pferd beim Schwanz aufgezäumt. Weshalb denn das grosse Interesse an den Vergütungen? Der Grund ist am ehesten bei den in den letzten Jahren verschärften aber zahnlosen Regulierungen zu finden – Stichwort Minder-Initiative. Der Stimmzwang fordert von den Pensionskassen eine Detailbetrachtung der Vergütungsthematik. Dies legt das Hauptgewicht am falschen Ort.

Der Fokus eines Anlegers sollte nicht auf den Vergütungen liegen, sondern auf der Unternehmensstrategie, den daraus resultierenden Zahlen sowie auf den zukünftigen Chancen und Risiken. Wenn die Vergütungen zum obersten Diskussionsthema werden, stellt das entweder dem Unternehmen, dem betreffenden Investor oder dem Gesetzgeber ein schlechtes Zeugnis aus.



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