Public Relations Perception Management

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08.07.2016
Bernhard Schmid

Trau! Schau! Wem?

Es ist hinlänglich bekannt, dass man nicht alles glauben darf, was via Internet auf dem Bildschirm erscheint. Und doch gilt das wahrscheinlich für mehr Inhalte als wir wahrhaben wollen. Entsprechend häufig fallen wir auf die „user-generated Lügenpresse“ rein. Ein jüngst publizierter Fall zeigt, wie einfach die Sozialen Medien als Propagandamaschine auch gegen einzelne Personen eingesetzt werden: Ein Mann, dessen Bild immer wieder im Zusammenhang mit Unglücken und Verbrechen in Umlauf gebracht wird, soll von seinen Gläubigern offenbar auf diese Weise kompromittiert werden. Er war weder Opfer zahlreicher Unglücke noch gab er je den Befehl auf Demonstranten zu schiessen, sondern hat nur bei einigen Gläubigern seine Schulden nicht beglichen, worauf sich diese jetzt via Verleumdung auf dem Internet an ihm rächen wollen. Das funktioniert ganz ordentlich – hat doch unter anderem die New York Times darüber berichtet, dass er bei der Schiesserei in Orlando ums Leben gekommen sei.

Dass sich solche Falschmeldungen grossflächig und auch in klassischen Medien verbreiten, hat primär zwei Gründe: Zum einen leben die Social Media von Emotionen. Gerade personifizierte Schicksalsgeschichten funktionieren sehr gut, um Reaktionen in den Sozialen Medien zu befeuern. Zum anderen ist die Quellenzahl mit der partizipativen Nutzung des Internets explodiert. Eine qualitative Überprüfung ist aufwändig geworden. Die Validierung der Information findet deshalb bisweilen auch rein quantitativ statt, sprich: Wenn so viele Quellen darüber berichten, muss es ja stimmen. Das ist gefährlich, weil es bewusst ausgenützt wird. Vom oben beschriebenen Einzelfall über die Kriegspropaganda bis zur politischen Instrumentalisierung des Flüchtlingsstroms aus Afrika.

Eine junge Frau aus Leipzig ist mit ihrer hoaxmap.org angetreten, um Falschmeldungen über Straftaten von Flüchtlingen mit Beweismaterial zu widerlegen und diese Fälle auf einer Landeskarte darzustellen. Solche „Wahrheitsportale“ sind ein wertvoller Versuch die Propaganda einzudämmen. Allerdings verschiebt sich damit der Kampf nur eine Ebene weiter, weil Webseiten, welche die Deutungshoheit für sich beanspruchen, ein ideales Tummelfeld sind für Propagandisten und damit stets selber Opfer der Instrumentalisierung werden können. Letztlich beweisen alle Beispiele nur, was man in der schnelllebigen Informationsflut allzu leicht vergisst: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!



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