Public Relations Perception Management

DE  |  EN
{alt_title}

06.05.2015
Bernhard Schmid

Shitstorm-Reaktion ein Kinderspiel?

Obwohl viele Unternehmen weder eine Social Media Strategie haben noch auf kommunikative Krisenszenarien vorbereitet sind, hat sich mittlerweile landauf landab die Binsenwahrheit etabliert, dass man im Fall eines Shitstorms a) sofort reagieren, b) Fehler eingestehen und c) ehrlich, transparent und von Beginn weg umfassend kommunizieren muss. Möglicherweise verzichten auch gerade deshalb einzelne Firmen auf entsprechende Vorbereitungen, weil sie der Meinung sind, dass sie - diesen einfachen Grundsätzen folgend - eine Krise bestens meistern könnten. Doch so einfach ist es eben nicht.

Die genannten Grundsätze mögen wohl deeskalierend wirken. Sie mögen aber auch dazu beitragen, dass ein Unternehmen unnötig Schwäche zeigt und dadurch gerade interne Stakeholder (Mitarbeitende, Management) vor den Kopf stösst. Insbesondere, wenn keine faktischen Fehlleistungen vorliegen sondern Wertvorstellungen infrage stehen. Oder auch, wenn in vorauseilendem Gehorsam Entschuldigungen formuliert werden, weil man das Risiko eines Shitstorms so sehr fürchtet, dass eine kurzzeitige Verbiegung der eigenen Überzeugungen das leichtere Übel zu sein scheint. So womöglich im letzten Herbst bei der NZZ geschehen, als sich der damalige Chefredaktor öffentlich für die „Fehlleistung“ einer Mitarbeiterin entschuldigte. Wofür er dann ironischerweise sehr viel Kritik erntete.

Zu Reaktionen auf (drohende) Shitstorms gibt es mittlerweile eine ansehnliche Sammlung von unterschiedlichen Beispielen: kreativeselbstbewusste oder auch einfach unüberlegte. Die einzelnen Shitstorms mögen noch so unterschiedlich sein, sie alle haben eines gemeinsam: Sie wirken für die Betroffenen in Qualität und/oder Quantität unter dem aufkommenden Zeitdruck enorm emotional. Dabei ist genau dann rationales Überlegen und Handeln gefragt. Voraussetzung dafür ist, dass man es selber oder mit Hilfe von aussen schafft die Vorgänge und Aussagen aus unterschiedlichen Perspektiven anzuschauen, nüchtern zu qualifizieren und erst dann mit der nötigen Portion Selbstkritik, Selbstvertrauen oder Selbstironie darauf reagiert.



Kommentare