Public Relations Perception Management

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30.09.2016
Bernhard Schmid

Eine Paywall für’s werbelose Fernsehen?

Gemäss einer Studie von Mediapulse von Ende 2015 konsumiert bereits jeder Fünfte im Alter zwischen 15 und 29 Jahren Fernsehen zeitversetzt. Und die Nutzung von zeitversetztem Fernsehen wird über die nächsten zwei Jahre noch einmal deutlich zunehmen. Nicht zuletzt begünstigt durch die Abschaltung der analogen Telefonie, welche viele Konsumenten näher an die All-IP-Angebote heranführen wird. Die Zuschauer, die sich daran gewöhnt haben, dass man Werbung im Replay-Modus überspringen kann, werden es kaum akzeptieren, wenn sie plötzlich wieder auf diesen Komfort verzichten müssen. Genau darauf zielt aber eine Forderung der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF), die das Überspulen von Werbung im zeitversetzten Fernsehen ab 2017 beschränken und auch die Suchfunktionen beschneiden will. Die Forderung drängt verständlicherweise, weil es um Millionen von abfliessenden Werbegeldern geht, und man wohl ausnützen will, dass derzeit die Mehrheit des TV-Publikums das „werbefreie“, zeitversetzte Fernsehen gar noch nicht kennt.

Der Erfolg von Pay-Angeboten wie Netflix zeigt gleichzeitig, dass die Konsumentinnen und Konsumenten nicht abgeneigt sind, für werbefreie und qualitativ hochwertige Angebote zu bezahlen. Die Schmerzgrenze dafür dürfte umso höher liegen, je mehr (sich wiederholende) Werbung im Free-TV gezeigt wird. Erst recht, wenn man die Zuschauer wieder zum Werbungs-Konsum zwingt und ihnen dadurch einen erlangten Komfort wieder wegnimmt. Entsprechend dürften viele Nutzerinnen und Nutzer von zeitversetztem Fernsehen hoffen, dass man ihnen kostenpflichtige Alternativen bieten wird, anstatt sie mit Verboten und Einschränkungen zu belegen.

TV und Internet-Videos werden in Zukunft immer weniger als zwei unterschiedliche Formate wahrgenommen werden, weil sie noch stärker miteinander verschmelzen. Gut möglich also, dass der Königsweg in Zukunft sowieso über die Abgeltung individueller TV-Formate respektive Videos führt. Eine TV-Paywall also, welche die Wahl lässt zwischen dem verordneten Konsum von Werbung und der Bezahlung für Einzelformate oder einem mit mehr oder weniger Werbung ausgestatteten Abonnement.



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