Public Relations Perception Management

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30.03.2016
Manuel Rotzinger

Liveticker: Das unreflektierteste journalistische Format

Am Dienstag, dem 23. März, nachdem Brüssel terroristischen Anschlägen zum Opfer gefallen war, war es wieder so weit: Auf den bedeutenden Schweizer Newsportalen wurden Liveticker aufgeschaltet, die uns im Minutentakt mit den wichtigsten Updates auf dem Laufenden hielten.

Welche Vorteile hat der Liveticker gegenüber Fernsehen und Radio, den beiden anderen bevorzugten Kanälen für Liveberichterstattung? Im Liveticker lassen sich unterschiedliche Elemente – seien dies Audio- oder Videodateien – einbetten und mit Text kombinieren. Hinzu kommt die Integration von Social Media: vor allem das Einbauen von Twitterfeeds von vor Ort Anwesenden ist beliebt und kann vor allem im ersten Moment von Ereignissen aufschlussreiche Erkenntnisse liefern. Allerdings hat auch der Liveticker seine Tücken. Wie bei Radio und TV sichtet, qualifiziert und filtert der zuständige Journalist oder das ein Team die Newsfetzen, und nimmt diese gegebenenfalls in die Liveberichterstattung mit auf. Weiter hat sich am 23. März nicht zum ersten Mal gezeigt, dass auch etablierte Newsportale (Blick, Tagesanzeiger, Basler Zeitung) in der Hektik Videos veröffentlichen, ohne zu prüfen, ob diese tatsächlich mit dem aktuellen Ereignis in Zusammenhang stehen (https://twitter.com/christof_moser/status/712214639522742272). Allerdings war auch das SRF nicht davor gefeit, das Video in der Berichterstattung zu den Anschlägen zu zeigen (https://twitter.com/nick_luethi/status/712222872190775296).

Newsticker haben auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung, sei dies bei sich entwickelnden Newsgeschichten oder im Sport. In der Sportberichterstattung gibt es in der Schweiz allerdings noch viel Luft nach oben gibt. Gewisse ausländische Sportnewsticker sind parallel zum Ereignis lesenswert, da man eine Einschätzung von Dritten (Experten) erhält, welche darüber hinausgehen, was man am Bildschirm mitverfolgt („0:30. Federer haut den Ball ins Netz!“).

Liveticker werden auf jeden Fall fester Bestandteil des Newsalltages bleiben, und er ist ein belebendes Element. Allerdings ist die Rolle des Redaktors hier eher jene eines Newsaggregatoren denn eines Journalisten, der das Geschehene einordnet und qualifiziert. Anders als Philipp Meier, ehemals Community Manager von Watson, der Ende Januar in seinem letzten Artikel zu einer Ode an den Liveticker als „das ehrlichste journalistische Format“ ausgeholt hatte (http://www.watson.ch/!186933828), möchte ich es hier eher als das unreflektierteste bezeichnen, wo der User selber imstande sein muss, die Inputs einzuordnen. Der Mehrwert besteht darin, dass man auf einer Seite eine Übersicht zum aktuellen Stand erhält. Dank Social Media kann ein informierter Anwender sich diese Puzzlestücke auch selber zusammensuchen und eventuell anhand der Quellen sogar besser beurteilen, was für ihn von Relevanz ist. 



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