Public Relations Perception Management

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22.09.2014
Danial Naghizadeh

Leserkommentare – sinnvoll oder überflüssig?

Für die einen ist es wertvolles Gefäss des Meinungsaustausches und der Interaktion, für die anderen ist es ein Sammelbecken für Pöbeleien und unqualifizierter Meinungsäusserungen. Wenige Aspekte der Online-Medien spalten die Meinungen stärker als die Kommentarspalte.

Mit der Eröffnung von Newsportalen erhielten die traditionellen Printmedien eine neuartige Möglichkeit, mit ihrer Leserschaft in Kontakt zu treten. Zwar gab es mit dem Leserbrief bereits vorher die Möglichkeit des Einbezugs der Leser. Jedoch sind dort die Eintrittshürden relativ gross und die Wahrscheinlichkeit der Veröffentlichung aufgrund des begrenzten Platzes gering. Die Online-Kommentarspalten hingegen ermöglichen die Partizipation einer unbegrenzten Anzahl Leser, in einer bisher unbekannten Frequenz und Intensität.

Für die Medien ergeben sich daraus neue Möglichkeiten: Einerseits erlaubt es den Redaktionen in Kontakt mir ihren Lesern (Neudeutsch: ihrer „Community“) zu treten und ihre Beiträge mit zusätzlichen Perspektiven und weiterführenden Diskussionen zu bereichern. Zudem können Leser auf Fehlinformationen hinweisen, die im Gegensatz zum Print in Echtzeit korrigiert werden können.

Viele Online-Medien nutzen dieses Gefäss auch mit dem Ziel ihre Leser stärker an sich zu binden. Partizipieren diese an der Kommentierung von Artikeln oder dem Austausch mit anderen Diskussionsteilnehmern, verbringen sie mehr Zeit auf den Newsportalen und generieren höhere Traffic-Zahlen (und im Idealfall höhere Werbeeinträge).

Einige Medien sind inzwischen dazu hinübergegangen Leserkommentare als Stoff für die Bewirtschaftung von Geschichten zu nutzen. Dabei werden die Kommentare als Gradmesser der öffentlichen Meinung zu einem Thema inszeniert. Oft geschieht dies in Verbindung mit Online-Umfragen zu umstrittenen Themen.

Um möglichst hohe Traffic-Zahlen zu generieren sind die formalen und inhaltlichen Kriterien bei der Zulassung von Kommentaren auf vielen Online-Newssites jedoch niedrig angesetzt. Dementsprechend hoch ist das Qualitäts-Gefälle zwischen den Beiträgen der unterschiedlichen Nutzer der Kommentarspalten. Die Spannbreite beginnt bei denen, die sich bemühen sachliche Beiträge für einen konstruktiven und ergebnisoffenen Meinungsaustausch zu verfassen, und endet bei denen die bewusst versuchen Diskussionen mit kalkulierten Schmährufen zu sabotieren.

SRF hat mit „Kommentarland“ kürzlich 16 besonders engagierte Leserkommentierer porträtiert, die eher zur ersten Kategorie gehören. Viele davon erklärten ihr Engagement als Teilhabe am demokratischen Prozess und die Kommentarspalte als Möglichkeit des Austausches und der Konfrontation. Im Kontrast dazu steht das FAZ-Portrait über einen Kommentarschreiber der bösen Sorte (Neudeutsch: „Troll“), der sich die Provokation zur Aufgabe gemacht hat und es geniesst Krawall und Unruhe in Kommentarspalten zu stiften („Hass im Netz – Ich bin der Troll“).



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