Public Relations Perception Management

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07.07.2015
Manuel Rotzinger

Holländische Startup-Szene: Lektionen für die Schweiz

Spätestens seit mit Uber und Netflix zwei der meistbeachteten Jungunternehmen ihre europäischen Headquarters in den Niederlanden angesiedelt haben, dürften Standortförderer aus aller Welt – insbesondere der Schweiz, die sich selber gerne als Startup-Hub darstellt – aufgehorcht haben. Ein am 05.07. in Techcrunch publizierter Artikel beschäftigt sich mit den Vorzügen des holländischen Standorts für Startups aus dem Hightech-Bereich (The Netherlands: A Look At The World’s High-Tech Startup Capital).

Kurz zusammengefasst werden als entscheidende Standortvorteile der Niederlande neben vorteilhafter Steuerbelastung, guten internationalen Verkehrsverbindungen und einem neu erlassenen Startup-Visum vor allem das hohe Englischniveau der Bevölkerung hervorgehoben. Zudem war Holland bereits früh in unterschiedlichen Startup-Bereichen innovativ, und mit booking.com und TomTom sind zwei erfolgreiche Firmen des Internetzeitalters holländischer Herkunft. Das Preisniveau sei im Vergleich mit anderen Standorten eher tief, und das kulturelle Angebot – insbesondere in Amsterdam – gross.

Weiter verfügt Holland mit Neelie Kroes über eine starke Befürworterin der Hightech Startup-Szene, die es geschafft hat, das Thema zu einer nationalen Priorität zu machen. Die inzwischen 74-jährige leitet die im Jahr 2014 ins Leben gerufene Initiative „Startup Delta“, ein Programm, das holländische Startups unterstützen sowie miteinander koordinieren und verknüpfen soll. Weiter hat es zum Ziel, Holland als erfolgreichen Standort für Startups national und international zu vermarkten.

Was kann die Schweiz tun, um im Kampf um die Ansiedlung innovativer Jungunternehmen nicht ins Hintertreffen zu geraten? Natürlich hat der starke Franken der Anziehungskraft des Schweizer Standortes für ausländische Unternehmen geschadet. Die Art und Weise, wie die Unternehmenssteuerreform III umgesetzt wird und wie die Lizenzboxen genau ausgestaltet sein werden, spielt für die Attraktivität der Schweiz ebenfalls eine entscheidende Rolle. Positiv hervorzuheben ist das Vorhaben, unterschiedliche nationale Innovationsparks zu schaffen, welche eng mit Hochschulen und anderen Forschungsinstituten verknüpft sein sollen.

Allerdings beschleicht einen zuweilen das Gefühl, dass eine gesamtheitliche Strategie von nationaler Tragweite fehlt. Es gibt vielversprechende regionale Initiativen wie z.B. „Digital Zurich 2025“, und es ist wahrscheinlich, dass andere Landesteile wie etwa die für Startups attraktive Genferseeregion ähnliche Vorstösse lancieren wird. Aber der Wille und/oder die Mittel, um das Thema auf nationaler Ebene stärker und schneller voranzutreiben, scheinen zu fehlen. Es ist zu befürchten, dass die Schweiz ein Flickenteppich regionaler Hubs und Initiativen wird respektive bleibt, und als Ganzes an Wettbewerbsfähigkeit einbüsst. 



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