Public Relations Perception Management

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14.11.2014
Bernhard Schmid

Greenpeace war schon besser

Wie viele andere auch fand ich gestern in meinem Briefkasten „Wichtige ergänzende Informationen zur Jodtabletten-Verteilung“. Die Information stammt nicht von der offiziell zuständigen Behörde, die als Absender auf dem Schreiben figuriert, sondern vielmehr von Greenpeace. Die Propaganda-Aktion ist dumm.

Als eifriger Medienkonsument war mir beim Leeren des Briefkastens am Abend bereits bekannt, dass Greenpeace den Absender gefälscht hat. So konnte ich die Informationen zwar richtig einordnen, habe sie aber nur quergelesen, weil ich diese Art von Aufmerksamkeit-Heischerei daneben finde. Wo liegt das Problem?

Erstens: Die Anti-Atom-Propaganda unterminiert eine klare Instruktion an die Bevölkerung im Zusammenhang mit der Verteilung der Jod-Tabletten. Wie zu erwarten war, hat das Teile der Bevölkerung verunsichert. Und zwar nicht in Bezug auf ihre Einstellung zu Atomkraftwerken sondern in Bezug auf den Umgang mit den Tabletten. Die Vermischung von politischer Debatte und „technischer“ Anleitung führt so am Ziel der Initianten vorbei. Vgl. dazu auch den Kommentar von Davide Scruzzi in der heutigen NZZ.

Zweitens: Greenpeace hat das Schreiben wohl mit gefälschtem Absender aufgesetzt, um die Leute überhaupt dazu zu bringen die Informationen zu lesen und gleichzeitig selber von erhöhter Medienaufmerksamkeit zu profitieren. Dass Greenpeace davon ausgeht, dass die Leute Informationen eher lesen, wenn sie nicht von Greenpeace stammen, spricht für sich. Diese Aktion dürfte dies für die Zukunft kaum ändern. Gleichzeitig ist ein grosser Aufschrei in den Medien ausgeblieben. Es haben zwar verschiedene Medien darüber berichtet. Aber eben eher lauwarm und gerade so, dass man davon ausgehen muss, dass etliche Haushalte die wahren Hintergründe gar nicht mitkriegen und wenn, sich höchstens fragen: was gilt jetzt?

Drittens: Wenn Aktionen mit gefälschten Absendern Schule machen, nützt das niemandem sondern richtet nur Schaden an. Und zur Greenpeace-Aktion bleibt ergänzend zu sagen, dass sie nicht an Sympathie gewinnt, wenn der Kampagnenleiter auf Youtube mit Freikirchen-Charme versucht das Vorgehen zu rechtfertigen – vgl. dazu den Beitrag auf srf.ch.

@Greenpeace: Da habt ihr in der Vergangenheit schon smarter und dennoch frecher kommuniziert.



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