Public Relations Perception Management

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09.10.2014
Bernhard Schmid

Deshalb nervt PR: Eine Replik

Bravo, Christian Lüscher. Der Blogbeitrag „Deshalb nervt PR“ trifft in vielen Punkten ins Schwarze und zeichnet ein Bild von demjenigen Berater-Genre, das nach wie vor dafür sorgt, dass PR als Fluchwort akzeptiert bleibt. Weil die darauf folgende Abwehrreaktion der Journalisten auch unsere Arbeit beeinflusst, hier eine Replik von Beraterseite:

1. Die Drohung mit dem Chef
Richtig, mit dem Chef drohen ist selten eine gute Taktik. Es sei denn am anderen Ende der Leitung sitzt schon wieder ein anderer Stagiaire, der die Fakten und wesentlichen Zusammenhänge trotz geduldiger Erklärung nicht verstehen will, aus Kostengründen aber auf den Stuhl des verdienten Journalisten Ü40 gesetzt wurde.

2. «Ich war ja auch mal Journalist»
Richtig. Meine Kinder verstehen mich auch nicht besser, nur weil ich ebenfalls mal Kind war.

3. Langweilige Einladungen
Stimmt. Wer Zeit hat für ein Nachtessen mit Journalisten hat weder Freunde, Familie noch Kunden.

4. Die Drohung mit der Konkurrenz
Richtig. Allerdings muss die Frage gestattet sein, wie viel Konkurrenz es im konsolidierten und konvergenten Medienmarkt Schweiz überhaupt gibt.

5. Die Sache mit den «Promis»
Richtig. Man sollte sich aber nicht darüber wundern, dass versucht wird mit zweitklassigen Promis Inhalte zu vermitteln, während die Medien no-brainers über die sogenannten Stars verbreiten.

6. Hipstersprache nervt
Richtig.

7. Die schwarze Liste
Richtig. Beziehungsarbeit ohne Feingefühl überlassen wir Charlie Sheen. #Promis

8. Nachtelefonieren, ein Graus!
Ja, das ist ein Graus. Auch für uns, weil es viel Aufwand mit sich bringt. Nicht selten tönt es am anderen Ende allerdings wie folgt: „Ja danke, können Sie’s bitte noch einmal schicken, wissen Sie, ich bekomme so viele Mails.“ Und häufig lohnt sich dann der Anruf auch. Wichtig: Beim Anruf sollte man weitere Informationen bereit halten, die den Anruf für den Journalisten zum Mehrwert werden lassen.

9. Die Sache mit dem Duzis
Richtig. Man kann sogar im Dreieck mit einem englischsprachigen Kunden einen Journalisten duzen und dann im direkten Gespräch auf Deutsch wieder siezen.

10. Gesagt ist gesagt
Stimmt schon, richtig gesagt heisst aber nicht, dass es verstanden und im Zitat korrekt wiedergegeben ist. Darum gilt auch: Wer das Handwerk im Griff hat, muss sich nachträglich auch nichts korrigieren lassen.

Auf die Liste „Deshalb nerven die Journalisten“ kann man getrost verzichten. Erstens wäre sie so pauschal mitnichten haltbar, zweitens wächst ein guter Berater an seiner Aufgabe und drittens ist der Listicle-Journalismus dann hoffentlich auch mal wieder vorbei.



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