Public Relations Perception Management

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27.09.2017
Michael Mülli

Das Nazischwein ist der Mohrenkopf des Metzgers

Es gibt das beschauliche Mohrenäckerli in Teufen (Appenzell). Mitten in Willisau (Luzern) liegt der belebte Mohrenplatz. Und in Erstfeld (Uri) am Fusse des Gotthards wohnen Menschen im Ortsteil Mohrenkopf. Mohrenköpfe gibt es seit 1946 auch in Waltenschwil (Aargau). Diese sind kürzlich wieder einmal ins Gerede gekommen; sie, die zum Freiamt gehören wie der Lindenberg, die Reuss und das Mohrental zwischen Bremgarten und Rottenschwil. Im „schwarzen Erdteil“, wie der Volksmund dem Freiamt seiner mehrheitlich katholischen Bevölkerung wegen auch sagt, heissen die Muttersäue „Mohren“.

Der Dubler-Mohrenkopf, eine aus schokoladenüberzogenem Schaumzucker bestehende Süssigkeit, ist ins Gerede gekommen und hat mediale Aufmerksamkeit genossen, weil das „Komitee gegen rassistische Süssigkeiten“ eine Petition gegen ihn lanciert hatte: Er sei rassistisch und dürfe seinen Namen nicht mehr länger führen!

Dabei geht es hier doch nicht um Rassentheorie, sondern um Sprachgebrauch. Die Gedanken sind frei; und die in Sprache oder Zeichen gefassten weitgehend auch. Das sieht übrigens auch das Bundesgericht so: Zum Beispiel sind selbst Gebärden wie der Hitlergruss, Zeichen wie das Hakenkreuz oder andere rechtsextreme Symbole in der Schweiz nicht verboten, solange mit ihnen nicht öffentlich für eine rassistische Ideologie geworben wird. Ein blosses Bekenntnis erfüllt den Tatbestand der Rassendiskriminierung nicht. Selbstverständlich ist der „Mohrenkopf“ nicht zu vergleichen mit dem historisch eindeutig belasteten Hitlergruss. Dieser Exkurs soll auch in keiner Art und Weise den Eindruck erwecken, Dublers Mohrenkopf wolle sich zu irgendetwas bekennen, geschweige denn seinen Verspeiser für eine rassistische Ideologie gewinnen. Wer in ihn hineinbeisst, kann dabei denken, was er will; solange mit dieser genüsslichen Tat nicht für eine rassendiskriminierende Ideologie geworben wird, macht sich niemand strafbar. Nicht, dass man das falsch versteht: Es gilt sehr wohl den Gebrauch problematischer Ausdrücke zu hinterfragen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass Sprache das Mittel ist, um Auseinandersetzungen mit einem Thema zu pflegen und deshalb nicht a priori beschnitten werden soll.

Fazit:

Die differenzierte Betrachtung unterscheidet zwischen Sprachgebrauch, rassistischer Gesinnung und Propaganda für eine rassistische Ideologie.

- Wörter können nicht nur im Verlaufe der Zeit ihre Bedeutung ändern, sie können auch an verschiedenen Orten und in verschiedenen sozialen Umgebungen unterschiedlich verstanden und gebraucht werden. Zum Beispiel „Karacho“, das bei uns „Rasanz“ bedeutet; im Spanischen ist „carajo“ ein vulgäres Fluchwort für „Penis“, zu übersetzen mit „fuck“ oder „verdammte Scheisse“.

- Der Dubler Mohrenkopf ist in seinem Umfeld offenbar positiv konnotiert. Andernfalls ginge er nicht weg wie frische Weggli und das Marketing hätte schon längst reagiert.

- In der Kommunikation ist die korrekte Wortwahl zwar wesentlich; ebenso bedeutend bezüglich Botschaft ist aber eben die Absicht, mit der die Wörter gewählt werden. Manches anständige Wort kann auch boshaft gebraucht werden, wenn der Absender das will. Machen Sie mit „Du“ die Probe aufs Exempel. Wenn Sie jemandem sagen „Du-u!“ kann das doch ziemlich drohend tönen!?

Eine differenzierte Betrachtungsweise gibt es sogar dann, wenn Begriffe explizit als Schimpfwörter gebraucht werden und jemandem direkt an den Kopf geworfen werden. Auch dazu haben sich die Lausanner Richter schon vernehmen lassen: Betitelungen wie zum Beispiel „Sauschwabe“, die sich auf Nationalität und Ethnie beziehen, gelten als nicht rassendiskriminierend; Beschimpfungen wie „schwarze Sau“, die auf Hautfarbe und Religion abzielen, hingegen schon.

Es gibt übrigens auch den Judenkopf, 899 m ü. M. beim solothurnischen Passwang und die Frauenfürze als fasnächtliche Knallkörper. Das Vokabular einschlägiger Jargons und derber Sondersprachen hält noch ganz andere Ausdrücke bereit. Und überhaupt: Was wäre, wenn ein Metzger anlässlich der WM-Teilnahme der Schweizer Fussballer in seiner Auslage als Spezialität Nati-Schwein anbieten würde?



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