Public Relations Perception Management

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25.09.2014
Manuel Rotzinger

Alle Jahre wieder

Morgen ist es endlich wieder so weit: die Schweiz frohlockt, das neue iPhone wird hierzulande lanciert. Kunden werden vor den Verkaufsstellen Schlange stehen, um sich eines der ersten Geräte zu ergattern, und Newsportale sowie Gratiszeitungen mit Beiträgen über die ersten Käufer und deren Motive gefüllt sein. Und nun können diese erstmals gar zwischen zwei unterschiedlichen Grössen entscheiden. Das lässt das Herz des Apple-Fans höher schlagen. Und natürlich auch der Marketing- und PR Leute, welche sich ob der Publizität die Finger reiben dürften. Jedes Jahr dasselbe Schauspiel. Wieso bloss?

Klar, Apple hat in der Schweiz nach wie vor einen sehr hohen iPhone-Anteil. Aber, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, nutzt schweizweit inzwischen eine Mehrheit – 49 Prozent der Befragten zwischen 14 und 55 Jahren – Android, 42 Prozent Apples iOS. Noch mehr sagt die Altersgruppe der 14 – 29-jährigen aus: hier setzen „nur“ noch 37 % auf iOS, während 53 % Androidgeräte bevorzugen. Diese Statistik lässt mehrere Schlüsse zu, etwa dass Junge grössere Telefone zu bevorzugen scheinen, preissensitiver sind und gerne die Auswahl zwischen unterschiedlichen Geräten haben. Uns interessiert aber vor allem die Divergenz zwischen medialer Aufmerksamkeit und reeller Verbreitung. Dass Apple schöne und in sich stimmige Produkte entwickelt, die in einem funktionierenden Ökosystem reibungslos laufen, steht ausser Frage. Aber das trifft seit geraumer Zeit auch auf die Flagschiffmodelle der auf Android setzenden Hersteller zu.

Apple kann weiterhin für sich behaupten, mit der Lancierung des ersten iPhone im Jahr 2007 das Smartphone unserer Zeit erfunden zu haben. Das iPhone 4 war 2010 vor allem in Sachen Design ein Meilenstein und seiner Konkurrenz auch technisch noch immer meilenweit voraus. In dieser Zeit haben sich etliche Personen iPhones gekauft und sich in deren Ökosystem eingenistet, was zu einer Pfadabhängigkeit geführt hat, die sich noch heute in unseren Medien ablesen lässt. Vor allem die Generation der über Dreissigjährigen, der auch die meisten Journalisten angehören, haben so einen etwas verzerrten Blick auf Produktlancierungen von Apple, und entfernen sich je länger je mehr von ihrer jungen Leserschaft. Wir sind gespannt, ob der Blick am Abend nächstes Jahr noch immer einen Applejünger abbildet, der seine neuste Errungenschaft in die Höhe hält. Für die morgige Ausgabe stellt das wohl niemand infrage.



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